Mein Berufsstart mit TK in Begleitung einer erfahrenen Kollegin

TK Management, der Einstieg in den Start...

12.11.2020, aus: 

Mein Erfahrungsbericht mit der Trachealkanüle zum Berufsstart


Teresa Letsch, Logopädin in der Praxis für Logopädie Seltmann in Hechingen

„TK-Management?“- Nein, das hat nichts mit der Organisation ihrer Tiefkühltheke im Keller zu tun. Trachealkanülenmanagement bzw. die logopädische Therapie tracheotomierter Patienten und die Betreuung/ Beratung deren Angehöriger ist ein Zweig der Logopädie, dem leider immernoch viel zu wenig Wertschätzung und Aufmerksamkeit in der Gesellschaft, hinsichtlich deren Auswirkungen auf die enorme Verbesserung der Lebensqualität, entgegen gebracht wird.

Unser Klientel sind hierbei Patienten mit degenerativen neurologischen Erkrankungen, Patienten im Zustand nach neurologischen Ereignissen (z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung etc.), Patienten die über längeren Zeitraum beatmet werden, oder auch Patienten mit Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich. Über die Anlage eines Tracheostomas (ugs. „Luftröhrenschnitt“) bzw. das Legen einer Trachealkanüle wird die lebensnotwendige Atmung gesichert bzw. die Möglichkeit des Absaugens von Sekret eröffnet, sofern der Patient nicht mehr in der Lage ist, dieses selbstständig zu bewältigen. Dies geht in Zusammenhang mit einer Dysphagie (Schluckstörung) häufig mit der Anlage einer PEG-Anlage (Magensonde), welche die Ernährung sichert, einher. Folglich werden den Patienten elementare menschliche Bedürfnisse genommen: Essen und Sprechen.

In der logopädischen Nachsorge bzw. Therapie tracheotomierter Patienten geht es zunächst kleinschrittig um die Wiederherstellung der physiologischen Atmung über den Mund bzw. über die Nase. Dies stellt die anatomische Grundlage für die Stimmgebung/das Sprechen dar, wodurch der Patient die Möglichkeit des elementaren Bedürfnisses der Kommunikation, der Interaktion und des „sich Mitteilens“ wieder erlangt.

Parallel findet das Sekretmanagement statt, wodurch die Patienten körpereigene Schutzmechanismen der Atemwege wie das Husten/ Räuspern wieder erlernen bzw. sie unterstützend über apparative Maßnahmen endotracheal abgesaugt werden. Weiterführend wird dann an der Verbesserung bzw. Normalisierung des Schluckaktes gearbeitet, sodass ein Kostaufbau, das orale Essen, wieder aufgebaut werden kann. Nicht zu vernachlässigen ist während des gesamten Behandlungsprozesses die Begleitung/ Beratung der Angehörigen, der Betroffenen sowie deren Pflegefachkräfte. Hier spielt die Aus- bzw. Fortbildung des Pflegepersonals in den Bereichen des Sekretmanagements, des effektiven, stressfreien Absaugens; der bedarfsorientierte Inhalation; der Verwendung verschiedenster Arten/ Ausätze von Trachealkanülen, eine entscheidende Rolle.

Leider herrscht in diesem Zusammenhang immernoch sehr viel Unsicherheit, Unwissenheit und eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit durch Angst und Panik. Auch an die Logopäden unter uns: Die Therapie  tracheotomierter Patienten ist eine absolute Hands-On-Therapie, was auch Hands-On an der Trachealkanüle bedeutet! Beschriebene Phänomene übertragen sich natürlich ungebremst auf den Betroffenen und dessen Angehörigen, wodurch mögliche Fortschritte für den Patienten blockiert werden. Fortschritte können nur dann erzielt werden, wenn die Kommunikation und Interaktion in einem Netzwerk aus verschiedensten fachlich fundierte Therapeuten, kompetenten Ärzten,  motivierten Angehörigen und Freunden sowie engagierten Pflegekräften gelingt. Soweit die Theorie. 

Ein Beispiel aus dem Alltag einer Logopädin, welche beschriebene Patienten betreut, beschreibt die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Wertschätzung bzw. der Präsenz dieser Arbeit: 

Ein selbstständiger, berufstätiger, verheirateter, mitten im Leben stehender Mann mittleren Alters, muss aufgrund mehrere neurologischer Ereignisse über längeren Zeitraum beatmet werden, es erfolgt die Analage eines Tracheostomas sowie die Anlage einer PEG.


Nach mehreren Verlegungen in verschiedene Krankenhäuser, spezialisierten Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen kommt der Betroffene nach ca. 6 Monaten wieder nach Hause und wird von einem Intensivpflegedienst 24h/ 7 Tage pro Woche betreut-Nach 6 Monaten nicht sprechen, nicht essen. Nach wiederholten Diskussion mit dem zuständigen Hausarzt, ob dieser beschriebene Patient wohl Logopädie bräuchte oder nicht, stellt dieser schlussendlich eine Verordnung für Stimm-, Sprech-, und Sprachtherapie aus.

Nicht auszudenken, was dieser Prozess des Kampfes um Therapie, die Ehefrau bis zu diesem Zeitpunkt an Nerven und Energie gekostet hat. Abgesehen davon, wie das Nervengerüst aller Angehöriger während einem 6-Monatigen Aufenthalts des Patienten in verschiedensten Einrichtungen, unklaren Diagnosen, Zweifel, tausend offene Fragen bzgl. der Zukunft, gelitten haben muss. Noch viel weniger vorstellbar dann die Emotionen der Ehefrau, welche mit Gänsehaut und Tränen in den Augen, neben dem Pflegebett steht und die Hand ihres Mannes hält als sie nach 6 Monaten wieder die Stimme ihres Ehemannes hörte. Nachdem dieser von der Logopädin entblockt und mit einem Sprechventil versorgt wurde. 

 

DAS ist Lebensqualität, DAS ist effektive Therapie, DAS ist für uns Logopädie! 

 

Teresa Letsch in Begleitung mit Lisa Mayr 

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