Dürfen Kinder schnullern?

Schnuller, Nunu JA oder NEIN? - Teambeitrag von Sarah Pfister

04.11.2020

Schnuller: Ja, oder nein??
ein Betrag von Sarah Pfister, Praxisleitung der Logopädie Seltmann in Burladingen

Diesbezüglich sind sich viele Eltern sehr unsicher und wir Therapeuten werden oft auf eine fast gar „schuldbewusste“ Art gefragt, was wir denn von Schnullern halten.
Es gilt die weitverbreitete Meinung, dass Schnuller DER ultimative Grund für sämtliche Zahn,- und Kieferfehlstellungen sind.

Was aber tun, wenn sich ein Säugling nun mal nicht anders beruhigen lässt?

Nun, da kann ich Sie erst einmal beruhigen J, da die meisten Kinder auf Grund eines Schnuller’s weder eine Zahn,- noch eine Kieferfehlstellung bekommen.

Es gilt wie bei vielem Anderen auch: Auf die Menge kommt es an.

Zu erst einmal möchte ich Ihnen jedoch kurz erklären, warum ein Kind überhaupt einen Sauger benötigt (was auch nicht bei jedem Kind der Fall ist). Bereits im Mutterleib haben Kinder ein Saugbedürfnis (Es kann im Ultraschall oft beobachtet werden, dass Kinder am Daumen lutschen), was sie auf die spätere Nahrungsaufnahme vorbereitet. Darüber hinaus liegt auch ein Saugreflex vor, den die Kinder ebenfalls für die Nahrungsaufnahme benötigen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Saugen das Überleben garantiert und somit zu einer Zufriedenheit führt.

Wenn ein Baby weint, versucht man es in der Regel zu trösten, indem man es auf den Arm nimmt. Dabei entsteht natürlich ein Gefühl der Geborgenheit, was oft mit dem „Saugen“ kombiniert und somit einen beruhigenden Effekt auf das Kind hat.


Auf was sollte man dann achten:

Wie bereits erwähnt, kommt es auf die Menge an. Es ist sinnvoll, den „Nuckel“ sehr dosiert einzusetzen, so verliert er auch seine Wirkung nicht.

Die im Handel erhältlichen Schnuller sind glücklicherweise meist anatomisch korrekt geformt, was ebenfalls sehr wichtig ist (großes, breites Lippenschild und kleiner Sauger).

Außerdem wäre es wünschenswert, wenn ihr Kind nicht mit Schnuller im Mund spricht (wenn es dies jedoch nur einige Male und nur für kurze Zeit macht, stellt dies in der Regel kein Problem dar). Darüber hinaus werden sie feststellen, dass dadurch die Verständlichkeit Ihres Kindes durchaus eingeschränkt ist ;-)

Und zu guter Letzt noch ein kleiner Tipp zur Entwöhnung:

Es ist möglich, langsam die „Nuckizeit“ am Tag etwas einzugrenzen.
Danach gibt es, genauso wie eine „Zahnfee“ auch eine „Schnullerfee“ und der Nuckel kann durch ein tolles Geschenk ersetzt werden.
Außerdem gibt es in näherer Umgebung (Beispielsweise in der Bärenhöhle) einen Schnullerbaum, auf welchem Schnuller wachsen und den die Kinder jederzeit wieder besuchen können.

Allerdings sollte man beim Entwöhnen auch darauf achten, dass Ihr Kind sich momentan in einer stabilen psychischen Phase befindet. Falls es jedoch durch irgendetwas belastet wird, kann es durchaus sein, dass es den „Schnuller“ einfach gerade als Beruhigungsmittel braucht und die Entwöhnung dadurch unmöglich macht.

 

Noch ein kleiner Tipp zur Beruhigung: Bis zum Alter von ca. drei Jahren kann sich der frontal offene Biss tatsächlich von alleine zurückbilden (falls der Schnuller wirklich komplett entwöhnt wurde und die Zunge beim Schluckvorgang nicht zwischen die Zähne drückt)

 

Wie sie sehen, ist ein Schnuller tatsächlich erlaubt und führt nicht zwangsläufig immer zu kieferorthopädischen Problemen ;-)

Vielen Dank für’s Lesen

 

Sarah Pfister
 

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