Mehrsprachigkeit, ein Blitzlicht
ein Beitrag von Maria Pellegrino,Logopädin in der Praxis für Logopädie Seltmann in Burladingen
1.Definition von Mehrsprachigkeit
2.Welche Sprache sollten die Eltern mit ihrem Kind sprechen?
3.Therapieindikationen (Wann braucht ein mehrsprachiges Kind Logopädie?)
4.Wie läuft eine logopädische Anamnese und Therapie bei Mehrsprachigkeit ab?
5.Eigene Erfahrung
1.Definition von Mehrsprachigkeit
Bevor wir auf die erste Frage eingehen, würde ich zunächst einmal das Wort
„Mehrsprachigkeit“ definieren.
Kurz gesagt: Als mehrsprachig gilt, wer mehr als eine Sprache versteht und verwendet.
2.Welche Sprache sollten die Eltern mit ihrem Kind sprechen?
Die Mehrsprachigkeit stellt für Ihr Kind meistens eine Herausforderung dar. Da Ihr Kind verschiedene Sprachsysteme erlernen muss. Wie z.B. Sprachrhythmus, der Satzbau und die Grammatik, da diese komplett unterschiedlich sind. Vor allem am Anfang kann es sein, dass das Kind die Sprachen miteinander vermischt. Die Sprachmischung ist bei zweisprachigen Kindern normal, fällt dem Kind spontan ein Wort nicht ein, greift es nämlich automatisch auf die andere Sprache zurück. Außerdem kann es auch sein, dass das Kind nur eine Sprache überwiegend nutzt. Und das Kind spricht meistens nicht beide Sprachen gleich gut.
WICHTIG ist, dass die Eltern mit dem Kind die Sprache sprechen, die sie am besten beherrschen, die im Alltag überwiegend gesprochen wird und in der sie sich am wohlsten fühlen. (Authentizität) Kinder profitieren von Mehrsprachigkeit. Während es für uns Erwachsene oft ein großer Aufwand ist, lernen Kinder die Sprache ohne große Anstrengung, auch kognitiv können die Kinder stark davon profitieren, denn sie lernen von Beginn an, zwischen zwei Systemen hin und her zu switchen.
3.Therapieindikation
Eine Sprachentwicklungsstörung kann z.B. dann vorliegen, wenn in allen Sprachen
- das Sprachverständnis nicht altersgemäß ist
- der Wortschatz stark eingeschränkt ist
- regelmäßig grammatikalische Fehler auftauchen
- Ausspracheprobleme vorhanden sind, die nicht der Altersnorm entsprechen
4.Wie läuft eine logopädische Anamnese und Therapie bei Mehrsprachigkeit ab?
Eine ausführliche Anamnese ist sehr wichtig. Deshalb sollte ein Elternteil, das recht gut deutsch spricht bzw. versteht, das Kind zur Therapie begleiten.
Falls dies nicht möglich ist, da die Eltern nicht gut deutsch sprechen, ist die Anwesenheit eines Dolmetschers, zumindest bei Elternberatungsgespräche, wichtig.
Wenn dies auch nicht machbar ist, können wir ein Elternfragebogen austeilen, welcher in der entsprechenden Sprache ist. In der Praxis liegen uns Elternfragebögen zum Ankreuzen in verschiedenen Sprachen vor.
Außerdem kann es auch sein, dass wir Logopädinnen im Team haben, die Ihre Muttersprache beherrschen und Sie sich dadurch auch wohler fühlen. Fragen Sie uns einfach :-)
5.Eigene Erfahrung
Ich bin in Italien geboren und mit 4 Jahren hierhergezogen. Ich kann viele Dinge meiner mehrsprachigen Patienten nachvollziehen. Vor allem als Kind fühlt man sich oft unverstanden, ausgegrenzt, unwohl und nicht angekommen. Man fühlt sich immer „fremd“. Deshalb finde ich es als Therapeutin sehr wichtig, sich mit den einzelnen Kulturen auseinanderzusetzen, bevor man eine Therapie beginnt. Man sollte den Angehörigen vor allem viel Informationen geben, viel Sicherheit, viel Verständnis entgegenbringen und eine gute stabile Beziehung aufbauen. Denn die Angehörigen (die nicht gut deutsch sprechen) fühlen sich meistens missverstanden. Weshalb man sich für die Angehörige viel Zeit nehmen sollte, bis sie sich sicher und verstanden fühlen. Das ist für mich der Schlüssel zu einer guten Therapie mit mehrsprachigen Patienten und Angehörigen.



