Logopädie Seltmann

die kindliche Sprachentwicklung, eine mehrteilige Reihe - Beitrag 2 das erste Jahr von Sarah Pfister

08.12.2020, aus: 

Vom herzlichen Lächeln bis zum ersten Wort

 

Bereits vor der Geburt beginnt die Kommunikation mit unseren Kindern.
Glücklicherweise können wir uns intuitiv, auch wenn unsere Kinder noch im Mutterleib sind, mit ihnen „unterhalten“. Die Kinder nehmen bereits etwa ab ca. des sechsten Schwangerschaftsmonats unsere Stimmen und damit unweigerlich verbunden, auch unsere Emotionen wahr.

 

Pures Glück: Das Kind ist nach 9 Monaten endlich da J

Die sprachliche Entwicklung von 0-3 Monaten

Da das Kind bereits im Mutterleib die mütterliche Stimme gehört hat, ist es von Beginn an, an menschlichen Stimmen interessiert.
Darüber hinaus verfügt es bereits über andere wichtige Sinne, welche als Zusammenspiel eine Grundvoraussetzung für den reibungslosen Verlauf der Sprachentwicklung darstellen.
Es kann sehen: Dadurch bevorzugt es auch menschliche Gesichter und kann tatsächlich bereits ab der ca. 6 Woche gelegentlich lächeln
Es kann fühlen, spüren, tasten: Das stellt für das Kind die Grenze zwischen sich selbst und der Umwelt dar und es kann Schmerzen wahrnehmen, was es dann durch „weinen“ äußert.
Es hat eine Gleichgewichtswahrnehmung: Dadurch erkennt es instinktiv in welcher Lage sich sein Körper befindet und kann diesen bereits minimal bewegen
Es hat eine Bewegungswahrnehmung: Diese ist eng verknüpft mit der Berührungswahrnehmung und der Gleichgewichtswahrnehmung. Dadurch spürt das Kind, wenn es sich selbst bewegt und entdeckt später die Freude an der Bewegung.

Es kann riechen und schmecken: Dadurch findet das Kind in der Regel die Nahrungsquelle schneller und kann recht schnell verschiedene Geschmäcker voneinander unterscheiden. Süß wird dabei bevorzugt, sauer und bitter werden abgelehnt.

 

Das Baby lernt in dieser Zeit ebenfalls, dass es durch Schreien eine Reaktion der Mutter hervorruft und somit findet eine erste Kommunikation statt.

Auch die motorische Entwicklung in diesem Alter dürfen wir nicht außen vor lassen, da Artikulation im Prinzip nichts anderes ist als ganz feine und differenzierte Bewegungen. Mit ca. 3 Monaten werden die Hände und Finger entdeckt und es kann in aufrechter Position selbstständig den Kopf halten.

Ab des zweiten Lebensmonats beginnt die erste Lallphase, indem das Kind beginnt mit seinen Sprechorganen zu spielen (Gurren, Brummlaute oder quietschen). Interessant hierbei zu beobachten ist, dass dies meist ein Ausdruck des Wohlbefindens darstellt.

 

Die sprachliche Entwicklung von 3-6 Monaten

Oft hält die erste Lallphase noch an und die Geräusche, die das Kind lustvoll produziert werden ausgebaut und differenziert. Es genießt das Spielen mit den Artikulationsorganen, der  Stimme und der Atmung. Darüber hinaus macht das Kind schöne Erfahrungen, indem das Umfeld positiv auf die „Äußerungen“ reagiert. Auf diese Art und Weise entsteht eine neue Qualität der Kommunikation, da das Kind brabbelt die Mutter antwortet und das Kind anschließend erneut reagiert.

Das Kind kann ebenfalls unterschiedliche Emotionen und Stimmklänge wahrnehmen und versteht ab des ca. 6 Lebensmonats seinen Namen

Wichtig zu wissen ist, dass die erste Lallphase in der Regel bei allen Kindern stattfindet.

 

Die sprachliche Entwicklung von 6-12 Monaten

In dieser Zeit beginnt nun die zweite Lallphase, welche bis zum ca. neunten Lebensmonat andauern kann und das Kind hat großen Spaß daran, mehrere Silben zu wiederholen.
Zudem entwickelt sich das Sprachverständnis im Alltag weiter und einfache Begriffe ( z.B essen, Ball) werden verstanden. Zudem hat das Kind großes Interesse an Imitationen, was eine weitere wichtige Voraussetzung für die künftige Sprachentwicklung darstellt.

Es kann auch beobachtet werden, dass Kinder am sogenannten „Motherese“ und einfachen „Brabbelgesprächen“ große Freude haben.
 

Ein Warnhinweis in dieser Zeit könnte sein, dass das Kind immer ruhiger wird. Denn nur, wenn das Kind seine eigenen Geräusche und/oder die des Umfelds hört, kann es diese gewollt wiederholen. Während der ersten Lallphase wiederholt es Geräusche in der Regel aus der Freude an der Bewegung und den Empfindungen heraus. Bleibt ein gewolltes wiederkehrendes Lallen ab des ca. 7 Lebensmonates aus, könnte der Verdacht auf eine Hörproblematik vorliegen und das Aufsuchen eines Hals-Nasen-Ohrenarztes, besser jedoch eines Pädaudiologen und/oder Phoniaters sinnvoll sein.

 

Im Alter von 12 Monaten etwa produziert das Kind immer häufiger Silbenverdopplungen und die Eltern warten sehnlichst auf das erste „Mama“ oder „Papa“. Im Normal produziert das Kind dies dann auch und die Freude darüber ist überschwänglich. Durch die sehr positiven Reaktionen auf das Wort „Mama“ oder „Papa“ ist das Kind bemüht, diese oft zu wiederholen und kann dadurch mit der Zeit verstehen, was diese Worte bedeuten.

Dies ist ein wichtiger Meilenstein in der kindlichen Sprachentwicklung, da das Kind verstanden hat, dass es durch seine Äußerungen positive Reaktionen hervorrufen kann und wird somit motiviert, weitere Worte zu erlernen.

Darüber hinaus versteht es nun einfache, kurze Äußerungen wie z.B. „komm her“
 

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